Warum Venture Clienting kein Konzern-Thema ist
Die bekanntesten Venture-Client-Programme kommen von BMW, Bosch oder Siemens. Das erweckt den Eindruck, Venture Clienting sei eine Disziplin für Unternehmen mit eigener Innovations-Abteilung, dreistelligen Millionenbudgets und Startup-Ökosystem in der Nachbarschaft.
Das ist ein Missverständnis. Die Grundidee – das beste verfügbare externe Angebot kaufen, statt es selbst zu entwickeln – ist gerade für mittelständische Unternehmen hochrelevant. Sie haben echte operative Probleme, kurze Entscheidungswege und ein tiefes Branchenverständnis, das jedes Scouting effizienter macht. Was ihnen fehlt, ist meist nur die Methode.
Die besonderen Stärken des Mittelstands
Mittelständische Unternehmen bringen Eigenschaften mit, die Venture Clienting erleichtern – nicht erschweren:
- Kurze Entscheidungswege. In einem Familienunternehmen oder einem mittelgroßen Betrieb entscheidet die Geschäftsführung direkt. Kein Steering Committee, kein Approval Board, keine drei Hierarchieebenen bis zur Pilotgenehmigung.
- Klare Probleme. Mittelständler wissen genau, was sie aufhält: der Engpass in der Produktion, der Prozess, der seit Jahren zu viel kostet, das Kundensegment, das man nicht erreicht. Diese Klarheit ist die Grundvoraussetzung für gutes Venture Clienting.
- Tiefes Branchenwissen. Wer seit 30 Jahren in einer Branche tätig ist, kann ein Anbieter-Pitch in zehn Minuten bewerten. Das macht Scouting und Pilotvorbereitung erheblich effizienter als in einem Konzern, in dem die Fachexpertise über viele Abteilungen verteilt ist.
- Attraktive Referenzkunden. Für Startups und Scaleups ist ein etablierter Mittelständler ein ausgezeichneter erster Kunde: glaubwürdig, branchenbekannt, und oft bereit, den Anbieter in ihrem Netzwerk weiterzuempfehlen.
Die typischen Hürden – und wie man sie überwindet
Gleichzeitig gibt es strukturelle Unterschiede zum Konzern, die berücksichtigt werden müssen:
- Kein dediziertes Innovationsbudget. Mittelständler haben selten einen Etatposten „Innovation". Das bedeutet nicht, dass kein Geld vorhanden ist – es bedeutet, dass das Pilotprojekt als reguläres Projektbudget beantragt werden muss. Die richtige Rahmung: Das ist kein Innovationsprojekt, das ist ein Einkaufsprojekt für eine bessere Lösung eines bekannten Problems.
- Kein internes Scouting-Netzwerk. DAX-Konzerne haben Zugang zu Startup-Ökosystemen, Acceleratoren und Venture-Capital-Netzwerken. Im Mittelstand fehlt dieser Zugang oft. Lösung: externe Partner, die das Scouting übernehmen und nur die relevantesten Anbieter vorlegen – statt eine interne Fähigkeit aufzubauen, die selten genutzt wird.
- Scheu vor dem „Startup-Label". Manche Mittelständler – besonders in konservativen Branchen – reagieren skeptisch auf Begriffe wie „Startup-Kooperation" oder „Innovation Lab". Die ehrlichere Formulierung: „Wir schauen uns an, ob es am Markt bereits jemanden gibt, der unser Problem besser löst als wir selbst." Das ist keine Unternehmenskultur-Initiative. Das ist Einkauf.
- Begrenzte Ressourcen für Pilotbegleitung. Wer nur 10 % einer Stelle für ein Pilotprojekt hat, kann es nicht ordentlich begleiten. Entweder wird eine Person mit echtem Zeitkontingent freigestellt – oder externe Begleitung übernimmt die operative Führung des Piloten.
Keine eigene Venture-Client-Unit nötig
Die BMW Startup Garage, Bosch Startup Harbor, Siemens Next47 – das sind Organisationen mit eigenen Teams, eigenem Budget und hauptamtlichen Mitarbeitenden. Das ist für den Mittelstand weder sinnvoll noch notwendig.
Was stattdessen funktioniert:
- Ein interner Champion – Geschäftsführer, Werksleiter oder Bereichsverantwortlicher – mit klarem Mandat und ausreichend Zeit.
- Externe Begleitung für Scouting, Vertragsgestaltung und Pilotbegleitung. Das hält den internen Aufwand klein und bringt das notwendige Netzwerk mit.
- Ein konkretes erstes Projekt statt einem Programm. Nicht „wir bauen Venture Clienting auf" – sondern „wir lösen Problem X in 90 Tagen".
„Der Einstieg ist nicht ein Programm. Der Einstieg ist ein Pilotprojekt."
Geeignete Anwendungsfälle im Mittelstand
Venture Clienting im Mittelstand funktioniert besonders gut, wenn das Problem scharf definiert ist und eine externe Lösung wahrscheinlich besser und günstiger ist als Eigenentwicklung:
- Prozessautomatisierung: Manuelle Prozesse in Produktion, Logistik oder Verwaltung, die schon lange als Engpass bekannt sind – aber intern nie priorisiert wurden.
- Predictive Maintenance: Maschinenausfälle vorhersagen, bevor sie passieren. Externe Spezialisten haben hier oft bessere Modelle als interne IT-Teams aufbauen könnten.
- Vertrieb & Kundenservice: KI-gestützte Angebotskonfiguration, automatisierte Kundenkorrespondenz, datengetriebene Vertriebssteuerung – alles Bereiche, in denen Startups häufig fertige Lösungen haben.
- Neue Geschäftsfelder testen: Bevor man intern ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung entwickelt, kann man prüfen, ob es bereits externe Anbieter gibt, mit denen man den Markt gemeinsam erschließen kann.
- Fachkräftemangel kompensieren: Qualitätskontrolle per KI, automatisierte Dokumentation, digitale Assistenzsysteme – externe Lösungen, die Personalengpässe überbrücken, ohne neue Stellen zu schaffen.
Was ein gutes erstes Projekt ausmacht
Nicht jedes Problem eignet sich als erstes Venture-Clienting-Projekt. Ein guter Einstieg erfüllt vier Kriterien:
- Das Problem ist konkret und messbar. Nicht „wir wollen digitaler werden", sondern „wir verbringen 40 Stunden pro Woche mit manueller Datenpflege in Excel".
- Es gibt wahrscheinlich externe Anbieter. Das ist die Kernhypothese des Scouting: Wer hat dieses Problem bereits gelöst?
- Ein Pilot ist in 90 Tagen realisierbar. Komplexe Infrastrukturprojekte, die tiefe IT-Integration erfordern, sind kein guter Einstieg. Ein abgegrenzter Prozess mit klarem Testrahmen schon.
- Die Entscheider stehen dahinter. Ein Pilotprojekt ohne Rückendeckung der Geschäftsführung wird nicht die nötigen Ressourcen und Entscheidungen bekommen.
Wie Vencly mittelständische Unternehmen konkret unterstützt
Vencly ist auf die Situation mittelständischer Unternehmen ausgerichtet: kein Konzernbudget, keine eigene Innovations-Abteilung, aber klare Probleme und kurze Entscheidungswege. Das Leistungsmodell passt sich daran an: Vencly übernimmt das Scouting, bereitet die Pilotentscheidung vor und begleitet das Testprojekt operativ – der interne Aufwand bleibt auf ein Minimum beschränkt.
Aus über 40 Projekten weiß Vencly, welche Anbieter in welchen Segmenten tatsächlich liefern – und welche gut klingen, aber nicht zu mittelständischen Strukturen passen. Diese Erfahrung verkürzt das Scouting erheblich und erhöht die Trefferquote bei der Anbieterauswahl.
Fazit: Mittelstand ist kein Handicap – er ist ein Vorteil
Die Konzerne haben die Venture-Client-Programme. Der Mittelstand hat etwas Wertvolleres: die Fähigkeit, schnell zu entscheiden, sofort umzusetzen und echte Probleme ohne politische Abstimmungsschleifen anzugehen.
Wer Venture Clienting nicht als Innovationsprogramm, sondern als strukturierten Einkaufsprozess für externe Lösungen versteht, wird feststellen: Es passt perfekt zum mittelständischen Mindset. Pragmatisch, ergebnisorientiert, ohne Overhead. Das erste Pilotprojekt zeigt mehr als jede Konzeptstudie.