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Venture Clienting15. Januar 2024 · 8 Min. Lesezeit

Startup-Zusammenarbeit als Chance in wirtschaftlichen Krisenzeiten: Venture Clienting

Gerade wenn Budgets knapp werden und Effizienz zählt, ist Venture Clienting das unterschätzte Instrument für Unternehmen, die nicht stillstehen wollen.

Das Venture-Client-Modell: Kunde statt Investor

Das Venture-Client-Modell positioniert Unternehmen nicht als Investoren, sondern als zahlende Kunden. Wenn ein konkreter Bedarf besteht, wird eine externe Lösung – häufig von einem Startup oder Scaleup – beschafft und in einem strukturierten „Proof of Concept" (PoC) validiert, bevor ein vollständiges Deployment erfolgt. Der Grundsatz: schnelle Validierung, minimiertes Risiko, klares go/no-go.

Das klingt unspektakulär – und das ist genau der Punkt. Venture Clienting ist kein Innovationsprogramm, kein Lab, kein Wettbewerb. Es ist strukturierter Einkauf. Die Innovation passiert beim Anbieter; das etablierte Unternehmen kauft das Ergebnis.

Push vs. Pull: Der entscheidende Unterschied

Traditionelle Innovationsansätze funktionieren nach dem Push-Prinzip: Lösungen werden intern entwickelt oder von außen präsentiert – ohne dass ein konkreter Bedarf vorab definiert wurde. Das Ergebnis sind Lösungen auf der Suche nach Problemen.

Venture Clienting dreht das Prinzip um. Pull-Innovation bedeutet: Das Unternehmen identifiziert zunächst einen spezifischen Bedarf und zieht dann externe Lösungen an, die diesen Bedarf bereits adressieren. Ähnlich wie Apple Siri nicht selbst entwickelt hat, sondern als bereits validierte Lösung akquirierte – statt jahrelang eine eigene Sprachassistenz-Technologie aufzubauen.

Der Unterschied ist fundamental: Pull-Innovation beginnt mit dem Problem, nicht mit der Technologie.

Warum Krisen der beste Zeitpunkt für Venture Clienting sind

In wirtschaftlich stabilen Zeiten konkurriert Venture Clienting mit vielen anderen Initiativen um Aufmerksamkeit und Budget. In Krisenzeiten verschieben sich die Prioritäten:

  • Geschwindigkeit zählt mehr als Vollständigkeit. Unternehmen können es sich nicht leisten, zwei Jahre an einer internen Lösung zu arbeiten. Ein strukturiertes Pilotprojekt mit einem externen Partner dauert 90 Tage.
  • Kosten müssen optimiert werden. Eigene Entwicklung ist teuer. Einkauf der besten verfügbaren Lösung ist günstiger – besonders wenn man zunächst nur testet, bevor man kauft.
  • Entscheidungsprozesse werden kürzer. In der Krise fallen Hierarchien. Wer eine überzeugende Lösung für ein drückendes Problem hat, bekommt schneller Zugang zu Entscheidern.
  • Startups werden kooperativer. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Startups stärker auf zahlende Kunden angewiesen. Ein Venture-Client-Projekt ist für ein Startup in einer Funding-Flaute existenziell wertvoll – das verbessert die Verhandlungsposition etablierter Unternehmen erheblich.

Der einfachste erste Schritt: Eine E-Mail

Viele Unternehmen glauben, Venture Clienting erfordere zunächst teure Berater, eine neue Abteilung oder ein ausgearbeitetes Programm. Das stimmt nicht.

Ein wirksamer erster Schritt: Eine E-Mail an die eigenen Mitarbeitenden mit der Frage: „Was würden Sie mit einem Prototypen-Budget von 70.000 € verbessern?" Die Antworten offenbaren konkrete Probleme – und damit den Startpunkt für strukturiertes Scouting. Das Wissen über die dringendsten Herausforderungen ist meist schon im Unternehmen vorhanden. Es muss nur gehoben werden.

Integration in den Einkauf – statt eigener Einheit

Ein häufiger Fehler: Venture Clienting wird als separate Innovationsinitiative aufgebaut, losgelöst vom operativen Alltag. Das führt zu Insellösungen ohne Anbindung an echte Entscheidungsprozesse.

Der nachhaltigere Weg ist die Integration in bestehende Einkaufsstrukturen. Wenn Venture Clienting als strukturierter Beschaffungsprozess für Innovation behandelt wird – mit standardisierten Abläufen, klaren Verantwortlichkeiten und nachvollziehbarer Dokumentation – wird es zur organisationalen Fähigkeit statt zur Sondersituation.

Automatisierte Plattformen können diesen Prozess skalieren: von der Problemdefinition über das Scouting bis zur Pilotbewertung – ähnlich wie konventionelles Lieferantenmanagement, aber für innovative Anbieter.

Nicht nur Startups – das Scouting-Missverständnis

Ein häufiger Fehler beim Aufbau von Venture-Client-Programmen: Man sucht ausschließlich nach Startups. Das schränkt den Suchraum unnötig ein. Die relevante Frage ist nicht „Welches Startup löst unser Problem?", sondern „Wer am Markt hat die beste Lösung für unser Problem?"

Die Antwort kann ein drei Jahre altes Startup aus Berlin sein. Oder ein Scaleup aus dem Silicon Valley. Oder ein mittelständischer Nischenanbieter aus Bayern, der seit zehn Jahren genau das Problem löst, das das Unternehmen gerade hat.

„Am Ende interessiert die beste Lösung für die eigene Herausforderung – nicht die coolste Entität."

Nicht in die Buzzword-Falle tappen

Venture Clienting läuft Gefahr, zum nächsten Berater-Trend zu werden, der mehr Sichtbarkeit als Ergebnisse produziert. Erfolg entsteht nicht durch schicke Programmbezeichnungen oder durch die Zusammenarbeit mit dem „coolsten" Startup des Jahres.

Erfolg entsteht durch echte Kostensenkung, skalierbare Prozesse und messbare Ergebnisse. Wer Venture Clienting als Marketinginstrument oder als Zeichen innovativer Unternehmenskultur einsetzt, wird enttäuscht sein. Wer es als Einkaufsdisziplin für Innovation behandelt, wird Ergebnisse sehen.

Der gegenseitige Vorteil: Warum Startups Venture Clients brauchen

In einer Funding-Flaute sind zahlende Kunden überlebenswichtig für Startups. Ein Venture-Client-Projekt liefert nicht nur Einnahmen – es liefert Marktvalidierung, einen Referenzkunden und oft den entscheidenden Beweis, der für die nächste Finanzierungsrunde gebraucht wird.

Für das etablierte Unternehmen bedeutet das: mehr Verhandlungsmacht, kooperativere Partner und die Möglichkeit, Early-Adopter-Konditionen zu sichern. Was in guten Zeiten als Fair-Weather-Partnership funktioniert, wird in der Krise zur strategischen Allianz mit echtem gegenseitigem Nutzen.

Wohin die Reise geht: Automatisierung und Demokratisierung

Die nächste Entwicklungsstufe von Venture Clienting führt weg von manuellen, beratungsintensiven Prozessen hin zu automatisierten, marktplatzbasierten Plattformen. Ziel: direkte Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und innovativen Anbietern – ohne aufwendige Zwischenschritte.

Das würde Venture Clienting für Unternehmen zugänglich machen, die bisher keinen Zugang zu Innovationsprogrammen hatten: kleinere Mittelständler, Unternehmen außerhalb der großen Wirtschaftszentren, öffentliche Institutionen mit begrenzten Ressourcen. Die Demokratisierung des strukturierten Innovationseinkaufs ist das eigentliche Versprechen des Modells.

Was Vencly konkret übernimmt

Vencly begleitet Unternehmen durch den gesamten Venture-Clienting-Prozess – von der Problemdefinition über das Scouting bis zur Pilotbegleitung. Gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen ist das entlastend: Der interne Aufwand bleibt gering, weil Vencly die zeitintensiven Teile übernimmt – strukturierte Anbietersuche, Shortlisting, Vertragsrahmen, Pilotsteuerung.

Das Modell ist bewusst schlank: kein Retainer, kein langfristiger Beratungsvertrag, sondern projektbasierte Zusammenarbeit, die mit einem konkreten Piloten beginnt. Unternehmen, die selbst unter Kostendruck stehen, brauchen keinen Berater, der ihnen Konzepte verkauft – sie brauchen jemanden, der liefert.

Fazit: Krisen als Chance nutzen

Wirtschaftlicher Druck schafft Entscheidungsfreude. Venture Clienting ist das Instrument, das diese Entscheidungsfreude in messbare Ergebnisse verwandelt – ohne die Risiken von Beteiligungen, ohne die Langsamkeit von Eigenentwicklung, ohne das Konzeptpapier-Bingo, das niemand umsetzt.

Unternehmen, die jetzt anfangen, externe Innovationspartner strukturiert einzubinden, werden nach der Krise schneller sein als ihre Wettbewerber. Denn Geschwindigkeit ist keine Frage der Konjunktur – sie ist eine Frage der Methode.

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Clemens Pompeÿ
Gründer, Vencly GmbH · Venture Clienting & Geschäftsfeldentwicklung

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